Donnerstag, 19. Januar 2017

Rom brennt

In der neuen Ausgabe der Zürcher "Weltwoche" habe ich mir gerade (sehr gezügelt) meinen Frust und die Verwirrung zur Auslegung von "Amoris laetitia" vom Leib geschrieben. 
Hier der Text.








Donnerstag, 5. Januar 2017

Nur einmal kurz die Welt retten

Just for the record: I did this interview with Melinda Gates for the printed edition of BILD. Here is the online-version - in German only I'm afraid... 
Please take note of my delicious socks!


Montag, 19. Dezember 2016



Mein Leserbrief in der FT (Dec 17, 2016)

Und hier eine erfreuliche Reaktion, ebenfalls auf der Leserbriefseite der FT – am 21.12.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Es ist so weit

Meine Sis hat der abonnentswürdigen Zeitschrift "Theo" (von "Gifti" Croÿ) ein fantastisches Interview gegeben, das auch in der WELT Niederschlag gefunden hat. 

Mein Highlight ist folgende Passage: 

"Ich glaube, dass wir ganz stramm in die nächste Diktatur gehen. Und zwar eine Wohlstandsdiktatur, das Über-Betreutwerden wird zunehmen, betreutes Essen, betreutes Trinken, betreutes Denken. Das merkten die Leute gar nicht; alle befinden sich in einem kollektiven Wohlbefinden. Gegen jegliches Unwohlsein gibt es Arzneien und Lifestyle-Drogen. Wir nähern uns immer mehr der von Huxley beschriebenen schönen neuen Welt."

Gestern war sie kurz in der Stadt. I miss you already!

Und hier – aus aktuellem Anlass – noch eine EILMELDUNG.



Heißt: Nicht nur Huxleys Prophezeiungen bewahrheiten sich. Viel schlimmer noch: Auch das, was der Großinquisitor in Dostojewskis "Brüder Karamasow" ankündigte, wird wahr. Am Ende des furchteinflößenden Monologs sagt der Großinquisitor seinem Gefangenen, Jesus, eine Zivilisation voraus, die in Namen der Wissenschaftlichkeit alles neu machen wird: „An der Stelle Deines Tempels wird man ein neues Gebäude errichten, wird man erneut den schrecklichen Babylonischen Turm errichten.“ 
Es ist so weit.

Und wieder werden, in 20 Jahren, die letzten echten Menschen, die dann wohl im Untergrund leben, sagen: "Wir haben das nicht geahnt." 

Donnerstag, 3. November 2016

Mel Gibson is back

... and here he talks about his sequel to the "Passion Of the Christ". I'm pretty, pretty excited.



Montag, 17. Oktober 2016

Thai Curry

17. Oktober 2016, BILD, Seite 1.
Eine interessante "developing story" ist der Krimi um Thailands Thronfolge.

Obamas "Asian pivot", der neue geopolitische Dreh-und-Angelpunkt der US-Außenpolitik, würde aus dem Scharnier brechen, wenn nun nach den Philippinen mit Thailand ein zweiter wichtiger verbündeter in Asien sich als unzuverlässlich oder gar instabil herausstellen sollte. Thailand ist die zweitwichtigste Volkswirtschaft Südostasiens, gehört zu den Top-20-Industrienationen der Welt, jedes Jahr reisen 40 Millionen Touristen nach Thailand. Thailand ist nicht Tonga. Es ist von zentraler Bedeutung, wer in diesem Land die Macht hat und ob dort Stabilität und Wohlstand wächst. Die Bevölkerung hat bislang die zahlreichen Militärcoups gegen ihre gewählten Regierungen nur hingenommen, weil über allem der paternalistische Geist König Bhumipols schwebte. Jetzt ist der tot. Eine unbeliebte Militärregierung, die gerade erst umstrittene Verfassungsänderungen in Kraft zu setzen gedenkt, gepaart mit einem beim Volk verhassten König ist jedenfalls kein Rezept für Stabilität in der Region. 

Der Schachzug des umstrittenen Kronprinzen Vajiralongkorns, seine Thronbesteigung um mindestens ein Jahr hinaus zu schieben, um "angemessen trauern zu können", wie es aus dem Palast heißt, scheint mit größerem Abstand immer geschickter. Soll doch General Prem, der 96 Jahre alte Vorsitzende des Kronrats und verfassungsmäßige Übergangsregent, die unpopulären Verfassungsänderungen unterzeichnen, die der Militärregierung quasi diktatorische Vollmachten verleihen. In der Zwischenzeit kann Vajiralongkorn in Ruhe seine Optionen prüfen ohne sich vor den Augen des Volkes mit dem unbeliebten Regime des Militärs gemein machen zu müssen. 

Nichts fürchtet übrigens das Militär und die traditionelle, um Hof und Palast organisierte Thai-Elite so sehr wie den Einfluss des Berlusconi-Verschnitts Thaksin, den vom Militär und Gerichtsbarkeit weggeputschten Volkstribun und ehemaligen (gewählten) Premierminister. Der Multimilliardär sitzt in Dubai im selbstauferlegten Exil. Auch er wird derzeit – belauscht von sämtlichen Geheimdiensten der Welt – seine Optionen sortieren.

Die Macht der thailändischen Monarchie ruht auf einem riesigen Netzwerk aus Palast, Militär, Justiz und Unternehmen, in dem königliche Günstlinge im ganzen Land Aufträge und Vergünstigungen verteilen. Im Zentrum steht das Crown Porperty Bureau (CPB), ein Konglomerat, das alle königlichen Besitztümer und Investments verwaltet. Steuerfrei. Alle Verantwortlichen des CPB werden vom Palast ernannt. Sie verwalten – konservativ geschätzt – 50-60 Milliarden US-Dollar. Darunter die Mehrheit an Thailands größter Bank, die teuersten und wichtigsten Grundstücke Bangkoks und Anteile an Konzernen rund um den Globus (darunter die Mehrheit an der Hotelgruppe Kempinski). 

Es nicht so sehr die Person Thaksins, die die Hof-Elite fürchtet, als ein System der Günstlingswirtschaft, das mit dem bisherigen konkurriert und es zu ersetzen droht. Viele Verbündete des alten Königs sehen den Kronprinzen als Bedrohung. Der derzeit als Staatsoberhaupt fungierende Regent, General Prem, gilt als einer der wenigen Vertrauten des alten Königs, der es in der Vergangenheit gewagt hat, den Kronprinzen zu kritisieren. Er gilt jedenfalls nicht als Freund Vajiralongkorns.

Was das Thai-Establishment besonders beunruhigt: Als Kronprinz hat Vajiralongkorn vor ein paar Jahren die Fühler nach dem exilierten Thaksin ausgestreckt. Angeblich hat Thaksin ihm vor ein paar Jahren, als Zeichen der Annäherung, sogar ein Luxusauto geschenkt. Der FT hat Thaksin vor zwei Tagen allerdings versichert, er habe seit sechs Jahren kein Kontakt mehr zum Kronprinzen. Hier ein Bericht des "Economist" über den Machtpoker in Bangkok und die möglichen Folgen.
Aus BILD, 15.10.

In Tutzing, wo sich Vajiralongkorn bekanntlich meist aufhält, herrscht im Moment eine angemessen herbstlich-melancholische Stimmung, wie dieser TV-Bericht vom Bayerischen Rundfunk dokumentiert. Im nahen Pullach wird man hier vergeblich nach Indizien für die Absichten des Kronprinzen suchen. Die neue Villa, die der Kronprinz gerade für sich und seine derzeitige Hauptfrau herrichten lässt, ist derzeit eine Baustelle. Der Prinz weilt in Bangkok. Sein etwa 200 Personen umfassender oberbayerischer Haushalt ist verunsichert. Ihre wichtigste Frage – und zugleich auch eine der wichtigsten geopolitischen Fragen derzeit ist, ob er die Villa in Tutzing überhaupt je beziehen wird.



Dienstag, 27. September 2016

Der widerwillige Reaktionär


Frank Schirrmacher (nicht „Frank“, wir haben uns nie geduzt) hätte seine Freude am gestrigen Abend gehabt. Er liebte die Provokation, Michel Houellebecq war daher der ideale Preisträger des nach ihm benannten Preises

Die Einführungsworte von Michael Gotthelf, dem Co-Präsidenten der Frank-Schirrmacher-Stiftung, waren geschäftsmäßig nüchtern, die Laudatio der Islamkritikerin Necla Kelek seltsam farblos, aber dann kam ER. 

Michel Houellebecq wirkt gepflegt (er hat eine neue Begleiterin an seiner Seite), er wirkt ruhig, souverän, gelassen. Er spricht in glasklarem Französisch. Das deutsche Redemanuskript wurde zuvor verteilt.
 
Michel Houellebecq bei der Dankesrede
im Atrium des FAZ-Gebäudes in Berlin
Seine Rede, hier im Original nachzulesen, ist im zarten, unaufgeregten Ton gehalten (hier sogar ein Video-Mitschnitt), beschreibt dabei aber den erbärmlichen Zustand der europäischen Linken und prophezeit den Untergang des geistig entkernten Europas. Den dogmatischen Liberalismus der westlichen Elite beschuldigt er, alle mit dem Etikett „reaktionär“ aus der Gemeinschaft der intellektuell Satisfaktionsfähigen auszuschließen, die den neo-liberalen Konsens nicht teilen:

„Ein Kommunist oder jeder, der sich den Gesetzen der Marktökonomie als letztem Ziel widersetzt, ist ein Reaktionär. Ein Anhänger staatlicher Souveränität oder jeder, der strikt gegen die Auflösung seines Landes in einem föderalen europäischen Raum ist, ist ein Reaktionär. Jemand, der den Gebrauch der französischen Sprache in Frankreich verteidigt oder jenen jeder anderen Nationalsprache in ihrem jeweiligen Land und der sich der universellen Verwendung des Englischen entgegenstellt, ist ein Reaktionär. Jemand, der der parlamentarischen Demokratie und dem Parteiensystem misstraut, jemand, der dieses System nicht als die Ultima Ratio politischer Organisation begreift, jemand, der es gerne sähe, dass der Bevölkerung öfter das Wort erteilt wird, ist ein Reaktionär. Jemand, der dem Internet und den Smartphones wenig Sympathie entgegenbringt, ist ein Reaktionär. Jemand, der Massenvergnügungen so wenig mag wie organisierten Tourismus, ist ein Reaktionär.“

Vereinzeltes Kopfschütteln im Publikum. Räuspern. Am Ende dann noch höflicher Applaus. Danach verschwindet er auf eine Zigarette. 

Leider rauche ich (derzeit) nicht, dennoch konnte ich mich für einen Moment zu ihm stellen. „Je suis un grand admireur“, stottere ich. Er lächelt und sagt gnädig: „Admi-RA-teur! Mais, on peu dire admireur je crois ...“ I love him!